
FORUM DE DEFENSE ET DE STRATEGIE

Revue de Presse Défense & Diplomatie
Presseschau Außen- und Verteidigungspolitik
Press Review (Defence and Diplomacy)

Wie Orbáns Sturz Serbiens politische Zukunft verändert hat
Der Beitrag untersucht, wie der politische Sturz Viktor Orbáns das politische Umfeld Serbiens und Aleksandar Vučićs verändert. Über Jahre war Orbán einer der wichtigsten europäischen Verbündeten Belgrads und unterstützte Serbien innerhalb der EU, während er gleichzeitig enge Beziehungen zu Russland pflegte. Sein Wegfall nimmt Vučić damit eine wichtige politische Schutzfunktion. Der Artikel analysiert zudem das serbische Modell des „kompetitiven Autoritarismus“, das auf der Kontrolle von Institutionen, Medien und Sicherheitsstrukturen beruht. Die Beziehungen zu Moskau, insbesondere im Bereich der Nachrichtendienste, bleiben von großer Bedeutung. Die neue regionale Lage könnte jedoch oppositionellen Kräften und proeuropäischen Akteuren zusätzlichen politischen Spielraum verschaffen.
Die Sahelzone im Zentrum des globalen Dschihadismus
Die Studie untersucht die Entwicklung der Sahelzone zu einem der wichtigsten Zentren des globalen Dschihadismus. Bewaffnete Gruppen haben ihre Aktivitäten über Mali, Burkina Faso und Niger hinaus bis in die Küstenstaaten Westafrikas ausgeweitet. Gleichzeitig haben sie ihre Organisationsformen und lokalen Governance-Strukturen angepasst. Die politischen Veränderungen infolge mehrerer Militärputsche haben die regionalen Sicherheitsstrategien grundlegend verändert. Der Rückzug oder die Schwächung westlicher Partner schafft zudem Raum für neue sicherheitspolitische Kooperationen. Die Studie betont gleichzeitig die Bedeutung lokaler und gesellschaftlicher Dynamiken für das Verständnis der Gewalt. Der Sahel ist damit von einer peripheren Region zu einem zentralen Schauplatz der sicherheitspolitischen Neuordnung Afrikas geworden.
Hydropolitische Dynamiken verstehen: Der Medog-Staudamm am Brahmaputra
Eugénie Stoclet analysiert die geopolitischen Auswirkungen des chinesischen Medog-Staudammprojekts am Brahmaputra. Das Projekt entsteht vor dem Hintergrund zunehmender Wasserknappheit, des Klimawandels und der strategischen Rivalität zwischen China und Indien. Peking stellt den Bau vor allem als Energie- und Entwicklungsprojekt dar, während Indien darin eine potenzielle Bedrohung seiner Wassersicherheit sieht. Die Studie warnt jedoch davor, den Staudamm als alleinige Ursache eines möglichen Konflikts zu betrachten. Vielmehr verstärkt und beschleunigt er bereits bestehende Spannungen um Wasser, Grenzen und regionale Machtverhältnisse. Auch die Rhetorik möglicher „Wasserkriege“ trägt zur Versicherheitlichung und Politisierung der Ressource bei.
Die militärische Wende der Tech-Branche: Algorithmen auf dem Schlachtfeld
Die Studie untersucht die zunehmende Annäherung zwischen großen Technologieunternehmen und militärischen Institutionen. Nachdem die Silicon-Valley-Unternehmen lange Distanz zu militärischen Anwendungen gezeigt hatten, schließen sie heute zunehmend Verträge mit dem Pentagon. Google, Anthropic, Meta, Palantir und Anduril sind Teil dieser Entwicklung. Auch in Europa entsteht mit Unternehmen wie Mistral AI, Helsing und Quantum Systems ein wachsendes DefTech-Ökosystem. Die Autoren zeigen, dass diese Entwicklung zugleich eine Rückkehr zu den historischen militärischen Wurzeln des Silicon Valley darstellt. Neu sind vor allem die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Wandels, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Für Europa stellt sich damit zunehmend die Frage nach technologischer Souveränität und demokratischer Kontrolle.
Welche Zukunft haben kommerzielle Trägerraketen in China?
Chinas kommerzieller Raumfahrtsektor entwickelt sich schnell und gewinnt zunehmend technologische Reife. Die erfolgreiche Bergung der ersten Stufe der Zhuque-3-Rakete von LandSpace im August 2026 gilt als wichtiger Meilenstein. Der Sektor entstand seit Mitte der 2010er-Jahre durch eine schrittweise Öffnung des Raumfahrtmarktes, wobei insbesondere Provinzregierungen eine wichtige Rolle spielten. Peking hat die Regulierung inzwischen verstärkt und unterstützt gleichzeitig die weitere Entwicklung des kommerziellen Raumfahrtsektors. Der Markt bleibt jedoch relativ klein und stark von der Nachfrage durch große Satellitenkonstellationen abhängig. Daher dürften nicht alle Unternehmen langfristig überleben. China versucht somit, einen wettbewerbsfähigen kommerziellen Raumfahrtsektor aufzubauen und zugleich die politische Kontrolle über diesen strategischen Bereich zu behalten.
Maut auf der Straße von Malakka? – Indonesiens Vorstoß und die maritime Ordnung im Indo-Pazifik
Deniz Kocak untersucht den indonesischen Vorschlag, eine Durchfahrtsgebühr für Schiffe in der Straße von Malakka einzuführen. Der Vorstoß wirft wichtige völkerrechtliche, wirtschaftliche und strategische Fragen für die maritime Ordnung im Indo-Pazifik auf. Der Autor argumentiert, dass eine solche Maut mit dem internationalen Seerecht und dem Prinzip der freien Schifffahrt nicht vereinbar wäre. Gleichzeitig muss die Initiative vor dem Hintergrund des zunehmenden strategischen Wettbewerbs im Indo-Pazifik betrachtet werden. Die Straße von Malakka gehört zu den wichtigsten Handels- und Energierouten der Welt. Jede Änderung ihrer rechtlichen oder politischen Rahmenbedingungen könnte daher internationale Auswirkungen haben. Abschließend untersucht der Beitrag auch die Bedeutung dieser Entwicklung für die deutsche Indo-Pazifik-Politik.
Warum die Canadian Rangers für die arktische Souveränität wichtig sind
Die Autoren unterstreichen die zentrale Rolle der Canadian Rangers bei der Sicherung und Ausübung der kanadischen Souveränität in der Arktis. Ihre dauerhafte Präsenz verbessert die territoriale Wahrnehmung und Überwachung der nördlichen Gebiete. Die Operation NANOOK zeigt, wie die Rangers die regulären kanadischen Streitkräfte ergänzen. Ihr lokales Wissen ist in einer riesigen, schwer zugänglichen Region mit begrenzter Infrastruktur besonders wertvoll. Gleichzeitig stärken sie die Beziehungen zwischen den Streitkräften und den nördlichen Gemeinschaften. Ihre Tätigkeit unterstützt damit die Bedrohungserkennung, die lokale Resilienz und die Sichtbarkeit kanadischer Präsenz. Die Rangers sind somit ein wesentlicher Bestandteil eines umfassenden Ansatzes zur Sicherung der arktischen Souveränität.
Wie kanadische Universitäten eine stärkere Army Reserve unterstützen können
John Walsh schlägt vor, die Infrastruktur kanadischer Universitäten stärker für die Ausbildung der Army Reserve zu nutzen. Während der Sommermonate verfügen viele Hochschulen über freie Unterkünfte, Unterrichtsräume und weitere Einrichtungen, die für die Ausbildung von Reservisten genutzt werden könnten. Vorgeschlagen werden sogenannte „Canadian University Reserve Training Nodes“, ohne die Universitäten in militärische Einrichtungen umzuwandeln. Die Armee würde weiterhin Führung, Ausbildung und militärische Ausrüstung übernehmen, während die Hochschulen bestimmte Unterstützungsleistungen bereitstellen. Dadurch könnten Engpässe im Ausbildungssystem reduziert und mehr Reservisten qualifiziert werden. Gleichzeitig könnte ein solches Modell die Vorbereitung Kanadas auf eine größere Mobilisierung verbessern. Entscheidend sei jedoch, die tatsächlich zusätzlich geschaffenen Ausbildungskapazitäten und die Kosten genau zu messen.
Le Collimateur — Jemen/Rotes Meer: Die Wurzeln der Huthi-Maschine
Diese Folge untersucht die historische Entstehung der Huthi-Bewegung und ihre Entwicklung zu einem wichtigen Sicherheitsakteur im Roten Meer. Alexandre Lauret zeichnet die politische Geschichte Jemens, die Beziehungen zu Saudi-Arabien und den Aufstieg der Huthis nach. Auch die Folgen des Arabischen Frühlings und des Bürgerkriegs für die Konsolidierung der Bewegung werden analysiert. Die Angriffe auf die Handelsschifffahrt seit 2023 haben die strategische Bedeutung der Huthis deutlich erhöht. Die Beziehungen zum Iran stellen dabei einen weiteren wichtigen Faktor ihrer politischen und militärischen Entwicklung dar. Die Episode zeigt schließlich, wie die Kontrolle beziehungsweise Bedrohung der Seewege am Bab al-Mandab den Huthis einen Einfluss verleiht, der weit über ihre territoriale Bedeutung hinausgeht.
Le Collimateur — Wie lässt sich der Krieg in der Ukraine kartografieren?
Diese Folge beschäftigt sich mit der Bedeutung von Kartografie und Open-Source Intelligence für die Beobachtung des Ukrainekriegs. Clément Molin erläutert, wie Videos, Satellitenbilder und andere offene Quellen gesammelt, geolokalisiert und überprüft werden, um Entwicklungen an der Front zu verfolgen. Die Offensive bei Lyman dient dabei als Beispiel für die Schwierigkeiten bei der Identifizierung und Bestätigung militärischer Bewegungen. Thematisiert werden auch die Zuverlässigkeit verschiedener Quellen sowie die Gefahr von Propaganda und falschen Gebietsbehauptungen. Neue Technologien ermöglichen präzisere Karten, erhöhen aber zugleich die Komplexität der Analyse. Die Folge zeigt damit, dass Karten inzwischen ein unverzichtbares Instrument zur Bewertung der operativen Dynamik des Krieges geworden sind.