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N°65, 10/2026

                     Revue de Presse Défense & Diplomatie

                                    Presseschau Außen- und Verteidigungspolitik

                                                        Press Review (Defence and Diplomacy)

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Die zwei Logiken der japanischen Sicherheitspolitik

Japans Sicherheitspolitik verfolgt zwei komplementäre Ziele: die amerikanische Präsenz im Indopazifik aufrechtzuerhalten und zugleich eigene Fähigkeiten auszubauen, um einen möglichen Rückzug der USA auszugleichen. Tokio stärkt insbesondere seine Kapazitäten in den Bereichen Nachrichtendienste, Langstreckenraketen und Weltraum und überprüft gleichzeitig seine strategischen Leitlinien. Darüber hinaus baut Japan seine Sicherheitspartnerschaften mit Ländern wie Australien, den Philippinen und Indonesien aus. Diese Entwicklung bedeutet nicht zwangsläufig eine Rückkehr zum Militarismus, sondern soll die bestehende regionale Ordnung angesichts des Aufstiegs Chinas und der Unsicherheit über das amerikanische Engagement bewahren. Demografische und finanzielle Einschränkungen setzen den japanischen Ambitionen jedoch Grenzen.

 

Iran–Israel–USA: Der Krieg der Vorstellungswelten 

Die Konfrontation zwischen Iran, Israel und den USA findet nicht nur auf dem Schlachtfeld statt: Politische, religiöse und historische Narrative spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Der Beitrag untersucht unter anderem, wie die Namen militärischer Operationen den Eindruck entscheidender oder schicksalhafter Wendepunkte vermitteln sollen. Im Iran legitimieren Vorstellungen von Märtyrertum, Unterdrückung und Widerstand das Regime und seinen regionalen Einfluss. Israel verwendet seinerseits Symbole, die den Konflikt mit existenzieller Sicherheit und der Aussicht auf einen politischen Wandel im Iran verbinden. Diese Narrative sind mehr als reine Propaganda, denn sie beeinflussen die Ziele und Strategien der beteiligten Akteure. Sie helfen somit, die ideologische Dimension eines Konflikts zu verstehen, dessen Folgen weit über die Region hinausreichen.

 

Eine sicherheitsbasierte Partnerschaft: Die Annäherung zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit

Seit dem Brexit haben sich die Beziehungen zwischen Berlin und London von einer Phase politischer Distanz zu einer schrittweisen Annäherung entwickelt, die 2025 im Kensington-Freundschaftsvertrag ihren Ausdruck fand. Deutschland hatte zunächst die Einheit der Europäischen Union gegenüber bilateralen Vereinbarungen mit dem Vereinigten Königreich priorisiert. Der veränderte strategische Kontext Europas, insbesondere der Krieg in der Ukraine und die Unsicherheit über das amerikanische Engagement, begünstigt nun eine engere Zusammenarbeit. Sicherheit und Verteidigung bilden zentrale Säulen dieser erneuerten Partnerschaft, ergänzt durch wirtschaftliche und politische Themen. Die Annäherung zeigt, dass beide Länder ihre Handlungsfähigkeit in einem instabilen internationalen Umfeld bewahren wollen. Zugleich stellt sich die Frage, welche Rolle Großbritannien außerhalb der EU-Institutionen für die europäische Sicherheit übernehmen kann.

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Kanada: Die Rückkehr separatistischer Bewegungen

Die Unabhängigkeitsfrage rückt in Kanada erneut in den Mittelpunkt, wobei sich in Québec und Alberta unterschiedliche Entwicklungen zeigen. In Québec hat der Erfolg der Parti Québécois die Aussicht auf ein drittes Unabhängigkeitsreferendum wiederbelebt. In Alberta wird dagegen über einen Prozess diskutiert, der zu einem Referendum über eine mögliche Abspaltung führen könnte. Beide Bewegungen kritisieren die Macht des Bundes, insbesondere in Fragen der Einwanderung, Sprache, Klimapolitik und Energieentwicklung. Ihre Beweggründe unterscheiden sich jedoch: In Québec stehen nationale und sprachliche Identität im Vordergrund, während Alberta vor allem die bundesstaatlichen Einschränkungen seiner wirtschaftlichen Entscheidungen ablehnt. Auch mögliche Einflussnahmen aus den USA sorgen für Besorgnis. Das Wiedererstarken dieser Bewegungen stellt den kanadischen Zusammenhalt infrage, obwohl äußerer Druck die nationale Einheit besonders wichtig macht.

 

What the River-Class Destroyer Means for Canada’s Naval Power

Das Programm der River-Klasse stellt einen wichtigen Schritt bei der Modernisierung der kanadischen Marine dar. Die geplante Flotte von fünfzehn Schiffen soll die ausgemusterten Zerstörer der Iroquois-Klasse und die Fregatten der Halifax-Klasse ersetzen. Die ersten Auslieferungen werden Anfang der 2030er-Jahre erwartet. Die neuen Schiffe sollen insbesondere die Luftverteidigung, die U-Boot-Abwehr und die Fähigkeit zu weitreichenden Angriffen verbessern. Damit reagiert Kanada unter anderem auf die Bedrohung durch russische U-Boote und den wachsenden Überwachungsbedarf in seinen Seegebieten und der Arktis. Der Beitrag untersucht außerdem, ob kleinere Korvetten die Küstenüberwachung und die Minenabwehr ergänzen könnten. Der tatsächliche operative Nutzen hängt jedoch von ausreichender Finanzierung, erfolgreicher Beschaffung sowie der Gewinnung und Bindung von Besatzungen ab.

 

Why Canada Is Restructuring Its Army

Die im September 2026 umgesetzte Umstrukturierung des kanadischen Heeres soll dessen Fähigkeit zu groß angelegten Operationen verbessern. Durch die Reaktivierung der 1. Kanadischen Division soll ein verlegbarer Großverband entstehen, der über die bisherige Bereitstellung begrenzter Kontingente für alliierte Einsätze hinausgeht. Dafür müssen Kampfbrigaden und Unterstützungseinheiten besser integriert und die Fähigkeiten zur Durchführung langwieriger Operationen gestärkt werden. Der Krieg in der Ukraine verdeutlicht die Bedeutung von Ausrüstung, Logistik und der Bereitstellung einsatzfähiger Kräfte. Beschaffungslücken, Rekrutierungsprobleme und lange Ausrüstungszyklen bleiben jedoch erhebliche Hindernisse. Die Reform kann ihre Ziele deshalb nur erreichen, wenn Verteidigungsinvestitionen beschleunigt und die Einsatzbereitschaft nachhaltig verbessert werden.

 

China’s Strategic Reassessment of India

Peking bewertet Indiens Stellung im regionalen Machtgefüge neu, während sich die Beziehungen zwischen China und Indien vorsichtig verbessern und Neu-Delhi seine Partnerschaften diversifiziert. Die veränderte amerikanische Politik gegenüber Indien trägt zu dieser Entwicklung bei: Chinesische Strategen gehen davon aus, dass Indien einen Teil der Unterstützung verlieren könnte, die seinen Aufstieg zur Großmacht bislang begünstigt hat. Peking erwägt daher erneut, Indien eher als Mittelmacht mit beeinflussbaren außenpolitischen Entscheidungen zu betrachten. Diese Einschätzung bleibt jedoch widersprüchlich, da China den Dialog erhalten und zugleich Indiens strategische Autonomie begrenzen möchte. Abhängigkeiten in Lieferketten und wirtschaftliche Einflussmöglichkeiten sind wichtige Instrumente dieser Strategie. Grenzstreitigkeiten und der Wettbewerb um Einfluss in Südasien erschweren weiterhin eine nachhaltige Annäherung.

 

How Sudan Became a Laboratory for Drone Warfare, Thanks to Abu Dhabi

Der Krieg im Sudan hat sich zu einem Erprobungsfeld für militärische Drohnen und Luftverteidigungssysteme entwickelt. Sowohl die sudanesischen Streitkräfte als auch die Rapid Support Forces setzen zunehmend Drohnen ein, von Kurzstreckensystemen bis hin zu Plattformen, die Ziele in großer Entfernung angreifen können. Diese Entwicklung verändert die militärische Lage und gefährdet Infrastruktur, Städte sowie humanitäre Hilfsoperationen. Der Beitrag wirft den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, den Konflikt durch die Lieferung fortschrittlicher Drohnentechnologie an die Rapid Support Forces zu verlängern. Diese Anschuldigung ist politisch sensibel. Zugleich konkurrieren chinesische und türkische Systeme miteinander, wodurch beide Konfliktparteien ihre Angriffs- und Abwehrfähigkeiten anpassen. Der Sudan verdeutlicht damit die rasche Verbreitung von Drohnentechnologie in modernen Konflikten und die Risiken ihrer Weiterverbreitung.

 

KI als Risiko für die Demokratie: Wie Künstliche Intelligenz den digitalen Autoritarismus fördern könnte

Künstliche Intelligenz kann demokratische Gesellschaften anfälliger machen, indem sie staatlichen und politischen Akteuren leistungsfähigere Instrumente zur Überwachung und Manipulation bietet. Neue Entwicklungen ermöglichen es, Daten in bisher unerreichtem Umfang auszuwerten, Desinformation gezielt anzupassen und Bevölkerungsgruppen präziser anzusprechen. Besonders groß sind die Risiken, wenn autoritäre Regime diese Möglichkeiten zur Kontrolle der Bevölkerung und zur Einschränkung öffentlicher Debatten einsetzen. Die Autoren weisen zudem auf die zunehmende Autonomie von KI-Systemen hin, die ihre Kontrolle erschweren und die Eingriffsmöglichkeiten demokratischer Institutionen begrenzen könnte. Die Herausforderung ist daher nicht nur technologischer Natur, sondern betrifft auch politische Verantwortung, demokratische Schutzmechanismen und wirksame Regulierung. Eine robuste KI-Governance ist entscheidend, um autoritären Entwicklungen entgegenzuwirken.

 

Eine Armee im Wandel, ein belastetes Hinterland

Diese Folge der Reihe „Retours d’Ukraine“ befasst sich mit dem Wandel der ukrainischen Streitkräfte und den Belastungen für das Hinterland. Ein lang andauernder Krieg erfordert kontinuierliche Anpassungen bei der Organisation der Streitkräfte, der Personalverwaltung und der logistischen Unterstützung. Die militärischen Anforderungen haben zugleich soziale Folgen: Familien, Beschäftigte und wichtige öffentliche Dienste geraten zunehmend unter Druck. Die Widerstandsfähigkeit der Ukraine hängt deshalb nicht nur von der Anpassungsfähigkeit ihrer Kampfeinheiten ab, sondern auch von funktionierender Infrastruktur und der Aufrechterhaltung ziviler Aufgaben. Die Folge erweitert damit den Blick über die unmittelbare Frontlinie hinaus. Sie beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen militärischer Mobilisierung, gesellschaftlicher Ausdauer und der Bewahrung des Alltags in einem Land im Krieg.

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